Posted in A Nighttime Companion of Solitude

A Nighttime Companion of Solitude

Oswald von Wolkenstein [Portraet des Dichters]

Oswald von Wolkenstein

(c.1377-1445)

 

With Oswald von Wolkenstein the long list of poet-knights comes to an end. He may well be considered the most important German lyrical poet between Walther von der Vogelweide and Goethe. Born as the second son of a South Tyrolean nobleman in Val Pusteria between 1376 and 1378, he decides to seek knightly training abroad, partly out of a spirit of adventure and partly out of necessity. As he sets out, he receives “drei pfenning in dem peutel und ain stücklin brot,” symbolic going-away gifts, the former as an assurance against rainy days, and the latter to still any yearning for his homeland. As well documented as Oswald’s later life is, the first twenty-four years of his life can only be gleaned from his poetry, together with all the pitfalls of poetic autobiography. Little else is known about his early years, except what he tells us in the poem “Es fuegt sich” (I)

His poetry is distinguished by a new, more realistic—often coarse and bawdy—but still highly subjective approach. He continues to rely on earlier courtly images and and «topoi» and dwells mainly on three major themes: adventure, love, and religion. What might still be classified as “fictional naturalism” in Neidhart von Reuental (Wehrli), now becomes a personal record of events and people in an almost portrait-like fashion that is often obscure and rather specific in its erotic details. F. Banta (JEGP 66) best sums up Oswald’s position when he states that he “loved life and loved women” (75), that he approached life “through the senses,” hardly through the intellect, in a language that could be devout or delicate, boisterous or bawdy (59). However, one can not take offense at language that reflects the mores of the age. The scores for many of his poems have been preserved in the two major manuscripts, one of which, manuscript B (the so-called Innsbrucker Wolkenstein-Handschrift B), also contains an individualized portrait of the poet who had lost his right eye while still a youth—a first in the history of German literature.

In reading the catalogue of places Oswald claims to have visited, one can easily become rather sceptical. However, it was quite common for a young man during Oswald’s time to travel far and wide. Between 1409 and 1410, he went on a pilgrimage to the Holy Land. His motif is not entirely clear. Some contemporaries treated such pilgrimages as a form of retreat, some others merely to be dubbed knights of the Holy Sepulchre, some to escape boredom, political strife, or economic difficulties. Oswald’s poem “Var, heng und lass” adds another motif: in this poem, a lover sets out for the Holy Land to prove his love to his lover.

 

I 1 Es fuegt sich, do ich was von zehen jaren alt I 1
ich wolt besehen, wie die welt wär gestalt.
mit ellend, armuet mangen winkel haiss und kalt
hab ich gepaut pei cristen, kriechen, haiden.
5 Drei pfenning in dem peutel und ain stücklin prot 5
das was von haim mein zerung, do ich loff in not.
von fremden freunden so hab ich manchen tropfen rot
gelassen seider, dass ich want verschaiden.
Ich loff zu fuess mit swärer puess, pis das mir starb
10 mein vater zwar, wol vierzen jar, nie ross erwarb, 10
wann ains raubt, stal ich halbs zumal mit valber varb
und des geleich schied ich davon mit laide.
Zwar renner, koch so was ich doch und mastallär,
auch an dem rueder zoch ich zue mir, das was swär,
15 in Kandia und anderswa auch wider här. 15
vil mancher kitel was mein pestes klaide.2 Gen Preussen, Littwan, Tartarei, Türkei, über mer, 2
gen Lampart, Frankreich, Ispanien mit zwaien küngesher
traib mich die minn auff meines aigen geldes wer,
20 Rueprecht, Sigmund, paid mit des adlers streiffen. 20
Franzoisch, mörisch, katlonisch und kastilian,
teutsch, latein, windisch, lampertisch, reuschisch und roman,
die zehen sprach hab ich gepraucht, wann mir zeran;
auch kund ich vidlen, trummen, pauken, pfeiffen.25 Ich hab umbvarn insel und arn, manig lant 25
auff scheffen gross, der ich genoss von sturmes pant,
des hoch und nider meres gelider vast berant;
die Swarze Se lert mich ain vass begreiffen,
Do mir zerprach mit ungemach mein wargatin.
30 ain kauffmann was ich, doch genas ich und kam hin, 30
ich und ain Reuss; in dem gestreuss haubtguet, gewin
das suecht den grund und swam ich zue dem reiffen.3 Ain künigin von Arragun was schön und zart, 3
dafür ich kniet zu willen raicht ich ir den part,
35 mit hendlein weiss pand sie darin ain ringlin zart 35
lieplich und sprach: “non maiplus disligaides.”
Von iren handen ward ich in die oren mein
gestochen durch mit ainem messin nädelein,
nach ir gewonhait sloss si mir zwen ring darein,
40 die trueg ich lang, und nent man sie racaides. 40
Ich suecht ze stunt künig Sigmunt, wo ich in vant.
den mund er spreutzt und macht ain kreutz, do er mich kant;
der rueft mir schier: “du zaigest mir hie disen tant?”
freuntlich mich fragt: “tuen dir die ring nicht laides?”
45 Weib und auch man mich schauten an mit lachen so; 45
neun personier künklicher zier die waren do
ze Pärpian, ir pabst von Lun genant Petro,
der römisch künig der zehent, und die von Praides.4 Mein tummes leben wolt ich verkeren, das ist war, 4
50 und ward ain halber beghart wol zwai ganze jar. 50
mit andacht was der anvank sicherlichen zwar,
het mir die minn das ende nicht erstöret.
Die weil ich rait und suechet ritterliche spil
und dient zu willen ainer frauen, des ich hil,
55 die wolt mein nie genaden ainer nussen vil, 55
pis das ain kutten meinen leib betöret.
Vil manig ding mir do gar ring in handen gieng,
do mich die kappen mit dem lappen umbevieng.
zwar vor und seit mir nie kain meit so wol verhieng,

60 die meine wort freuntlich gen ir gehöret. 60
Mit kurzer snuer die andacht fuer zum gibel auss,
do ich die kutt von mir do schutt in nebel rauss.
seit hat mein leib mit laidvertreib vil mangen strauss
geliten und ist halb mein freud erfröret.5 65 Es wär zu lang, solt ich erzelen all mein not. 5
ja zwinget mich erst ain ausserweltes mündlin rot,
davon mein herz ist wund pis in den pittern tot.
vor ir mein leib hat mangen swaiss berunnen;
Dick rot und plaich hat sich verkert mein angesicht,
70 wann ich der zarten dieren hab genumen pflicht, 70
vor zittern, seufzen hab ich oft empfunden nicht
des leibes mein, als ob ich wär verprunnen.
Mit grossem schrick so pin ich dick zwai hundert meil
von ir gerost und nie getrost zu kainer weil;
75 kelt, regen, sne tet nie so we mit frostes eil, 75
ich prunne, wenn mich hitzt der lieben sunne.
Won ich ir pei, so ist unfrei mein mitt und mass.
von meiner frauen so muess ich pauen ellende strass
in wilden rat, pis das genad lat iren hass,
80 und hulff mir die, mein trauren käm zu wunne. 806 Vier hundert weib und mer an aller manne zal 6
vand ich ze Nyo, die wonten in der insel smal;
kain schöner pild besach nie mensch in ainem sal:
noch mocht ir kaine disem weib geharmen.
85 Von der ich trag auff meinem ruck ain swäre hurt, 85
ach got, west sie doch halbe meines laides purt,
mir wär vil dester ringer oft, wie we mir wurt,
und het geding, wie es ir müest erparmen.
Wenn ich in ellend dick mein hend oft winden muess,
90 mit grossem leiden tuen ich meiden iren gruess, 90
spat und auch frue mit kainer rue so slaff ich suess,
das klag ich iren zarten, weissen armen.
Ir knaben, mait, bedenkt das lait, die minne pflegen,
wie wol mir wart, do mir die zart pot iren segen.
95 zwar auff mein er, west ich nicht mer ir wider gegen, 95
des müest mein aug in zähern dick erwarmen.7 Ich han gelebt wol vierzig jar leicht minner zwai 7
mit toben, wüeten, tichten, singen mangerlai;
es wär wol zeit, das ich meins aigen kinds geschrai

100 elichen hört in ainer wiegen gellen. 100
So kan ich der vergessen nimmer ewikleich,
die mir hat geben muet auff diesem ertereich;
in all der welt kund ich nicht vinden iren gleich.
auch fürcht ich ser elicher weibe pellen.
105 In urtail, rat vil weiser hat geschätzet mich, 105
dem ich gevallen han mit schallen liederlich.
ich Wolkenstain leb sicher klain vernünftiklich,
das ich der welt also lang beginn zu hellen.
Und wol bekenn, ich waiss nicht, wenn ich sterben sol,
110 das mir nicht scheiner volgt wann meiner werche zol.
het ich dann got zu seim gepot gedienet wol,
so vorcht ich klain dort haisser flammen wellen.
II Mein sünd und schuld euch priester klag II
an stat, der alle ding vermag,
grob, lauter, schamrot, vorchtlich das sag
durch andacht nasser augen,
5 Und hab ain fürsatz nimmermer 5
mit fleiss ze sünden, wo ich ker.
diemüetiklich mit willen, her,
gib ich mich schuldig taugen.
An dem gelauben zweifel ich,
10 pei gotes namen swer ich vast, 10
mein vater und mueter erenrich
vertragen hab mit überlast.

2 Raub, stelen, töten ist mir gach 2
leib, er und guet dem menschen nach,
15 pan veir, vast tuen ich ungemach, 15
valsch zeuknuss ist mir eben.
Spil, fremder hab wird ich nicht vol,
zaubrei, lug untreu tuet mir wol,
verräterschaft, prand gib ich zol.
20 hochvertig ist mein leben, 20
Von geitikait ich selten rue,
spot, zoren, unkeusch ist mir kunt,
vil essen, trinken spat und frue,
träg, neidig als der esel und hunt.

3 25 Die sünd ich haiss, die sünd ich rat, 3
die sünd ich lieb und leich ir stat,
günstlich nicht understen die tat,
tailhaft an rüglichs melden.
Den plossen hab ich nie erkent,
30 armen durst, hungers nicht gewent, 30
krank, tot, gevangen, ellend hent
kain parmung nicht mag velden.
Unschuldigs pluet vergossen han,
die armen leut beswär ich ser,
35 ich kenn die sünd von Sodoman, 40
verdienten lon nicht halb gewer.

4 Die weishait gots, vernunft und kunst 4
götleicher rat, gots sterk, inprunst,
götleiche vorcht, götleiche gunst,
40 götleich lieb, güet nie kande. 40
Den priester ich smäch, mein e zerprich,
mein tauff und firmung übersich,
gots leichnam ich nim unwirdiklich,
ölung, peicht, puess tuet mir ande.
45 Unwillig armuet, übelhait 45
treib ich durch zeit verloren,
das gots recht an parmherzikait
ich hass nach gunst mit zoren.

5 Mein sehen, hören süntlich prauch, 5
50 mein kosten, smecken lustlich slauch, 50
mein greiffen, gen, gedenk verdauch
unfrüchtikleich dem herren,
Der himel und erd beschaffen hat,
und was darinn wonleichen stat,
55 der gab mir Wolkenstainer rat, 55
auss peichten solt ich leren
Durch mein gesank vil hofeleut
und mangen ungewissen mensch,
die sich verirren in der heut,
60 recht als in Pehem tuent die gens. 60

6 Darumb hab ich die zehen pot, 6
die siben todsünd, michel rot,
die fremden sünd an allen spot
bekant durch reulich schulde,

65 Die hailgen werch der parmung rain, 65
die gab des hailgen gaistes stain,
vier rueffend sünd, fünf sinn verain.
o priester, gebt mir hulde!
Durch hailikeit der siben gab
70 sprecht ablas meiner sünde, 70
acht sälikait ir nempt mir ab,
das ich in got erzünde.
III 1 Es leucht durch graw die vein lasur III
durchsichtiklich gesprenget;
plick durch die praw, rain creatur,
mit aller zier gemenget.
5 Preislicher jan, dem niemand kan nach meim verstan 5
plasnieren neur ain füesslin,
an tadels mail ist er so gail. wurd mir zu teil
von ir ain freuntlich grüesslin,
so wär mein swär auff ringer wag
10 vollkomenlich geschaiden, 10
von der man er, lob singen mag
ob allen schönen maiden.2 Der tag scheint gogeleichen hel, 2
des klingen alle auen,
15 darin mang vogelreich sein kel 15
zu dienst der rainen frauen
Schärfflichen pricht, süesslichen ticht und tröstlich flicht
mit strangen heller stimme.
all plüemlin spranz, des maien kranz, der sunnen glanz
20 des firmaments hoch klimme 20
Dient schon der kron, die uns gepar
ain frucht keuschlich zu freuden.
wo wart kain zart junkfrau so klar
ie pillicher zu geuden?3 25 Das wasser, feuer, erd und wint, 3
schatz, kraft der edlen staine,
all abenteuer, die man vint,
gleicht nicht der maget raine,
Die mich erlöst, täglichen tröst. si ist die höst
in meines herzen kloster.ir leib so zart ist unverschart. ach rainer gart,
durch wurz frölicher oster
Ste für die tür grausleicher not,
wenn sich mein haupt wird senken
35 gen deinem veinen mündlin rot, 35
so tue mich, lieb, bedenken!
IV 1 Frölich, zärtlich, lieplich und klärlich, lustlich, stille, leise,
in senfter, süesser, keuscher, sainer weise
wach, du minnikliches, schönes weib,
reck, streck, preis dein zarten, stolzen leib!
5 Sleuss auff dein vil liechte euglin klar! 5
taugenlich nim war,
wie sich verschart der sterne gart
in der schönen, haitern, klaren sunnen glanz!
wolauff zue dem tanz!
10 machen ainen schönen kranz 10
von schaunen, praunen, plawen, grawen,
gel, rot, weiss, viol plüemlin spranz.2 Lunzlocht, munzlocht, klunzlocht und zisplocht, wisplocht,
                                                                 [freuntlich sprachen
auss waidelichen, gueten, rainen sachen
15 sol dein pöschelochter, roter munt, 15
der ser mein herz tiefflich hat erzunt
Und mich fürwar tausent mal erweckt,
freuntlichen erschreckt
auss slaffes traum, so ich ergaum
20 ain so wolgezierte, rote, enge spalt, 20
lächerlich gestalt,
zendlin weiss darin gezalt,
trielisch, mielisch, vöslocht, röslocht,
hel zu fleiss waidelich gemalt.3 25 Wolt si, solt si, tät si und käm si, näm si meinem herzen
den senikleichen, grossen, herten smerzen,
und ain prüstlin weiss darauff gesmuckt,
secht, slecht wär mein trauren da verruckt.
Wie möcht ain zart seuberliche diern
30 tröstlicher geziern 30
das herze mein an allen pein
mit so wunniklichem, lieben, rainen lust?
mund mündlin gekust,
zung an zünglin
[…]
V 1 “Simm Gredlin, Gret, mein Gredelein, V
mein zarter bül, herz lieb gemait,
dein züchtlich er an mir nicht weich!”
“Halt wie es get, mein Öselein,
5 in deiner schül treu stetikait, 5
die wil ich leren ewikleich.”
“Die wort sol ich behalten mir
und schreiben in meins herzen grund
von deinem röselochten munt.”
10 “Mein hort, das selb ist wol mein gier, 10
wann ich wil nicht wencken.
Gedenck, liebs Öselein, an mich,
dein Gredlin sol erfreuen dich.”2 “Du kanst mich nicht erfreuen bas, 2
15 wann das ich läg an deinem arm, 15
verslossen als ain kleusener.”
“in deiner pflicht wurd ich nicht lass,
an sainlich träg mach ich dir warm
und ist mir das ain klaine swer.”
20 “Hab danck, mein trauter aidgesell, 20
das sol ich dir vergessen klain,
wann du bist wol, die ich da main.”
“An wanck von mir kain ungevell,
herzlieb, nicht enwarte!”
25 “danck so hab die zarte.” 25

“zart liebster man, mir ist so wol,
wenn ich dein brust umsliessen sol.”3 “Vor aller freud tröst mich dein herz, 3
dorzu dein wunniklicher leib,
30 wenn er sich freuntlich zu mir smucket.” 30
“Gesell, so geud ich wol den scherz,
und gailt sich fro dein ainig weib,
wenn mir dein hand ain brüstlin drucket.”
“Ach frau, das ist mein zucker nar
35 und süsst mir alle mein gelid, 35
seid du mir haltst günstlichen frid.”
“Getraw mir sicherlichen zwar,
Öslin, gar an ende!”
“Gredlin, das nicht wende!
kain wenden zwischen mein und dir 40
sei uns mit hail beschaffen schier.”

 

 

Source:

http://www3.nd.edu/~gantho/anth354-532/Oswald473-491.html

Advertisements

Author:

"If he's honest, he'll steal; if he's human, he'll murder; if he's faithful, he'll deceive. Being at a loss to resolve these questions, I am resolved to leave them without any resolution." I have so much to say to you that I am afraid I shall tell you nothing."

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s